Temperamentvoll, zuweilen nachdenkend, still und sinnlich, schauspielerisch gekonnt und musisch noch immer beschlagen, so traute sich die gestandene Schauspielerin an das zu Recht in Öffentlichkeit noch immer mit Tabus belegte Thema der Erotik heran.
Dass Herr Rolf T. Wicke als Fäden ziehender Organisator mit der Verpflichtung der Moritzburger Schauspielerin Dorit Gäbler genau die richtige Auswahl traf, zeigte, dass bereits 2 Wochen vor der Veranstaltung „Ausverkauft“ Realität und damit Plakataufdruck wurde. Auch die altehrwürdige Räumlichkeit des Mayoratsgutes, die wie stets sparsam mit Requisiten ausgestaltet worden war, passte zu den roten und schwarzen Hüten sowie den grellen Dessous Dorit Gäblers am Kleiderständer. Als Herr Wicke die Anwesenden in der Begrüßung darauf verwies, es sei nur noch ein Stuhl frei, ihn reserviere man für die vielleicht noch kommende Königin (Königin Beatrix der Niederlande weilte gerade in Dresden. Ergänzung Wicke) war der ironisch geschwängerte Abend eröffnet und die „Königin“ hielt auch schon ihren Einzug. Es gab keine lange Vorrede: „Entweder man hat es, oder man hat es nicht“.
Damit steuerte Dorit Gäbler sofort den Kern der Veranstaltung an – moderierend, spielend und singend: Die Moritzburgerin nahm das Publikum in der von ihr gewohnten Spielweise in den intuitiven Gedankenaustausch über Sex mit. Dabei faszinierte ihr ironisch-lieblicher, manchmal auch derber Ton. Sie bewies zugleich, dass man über Sex reden und einiges andeuten kann, ohne dabei die zulässige Grenze zu überschreiten. Mit „Ich bin eine Frau, die weiß, was sie will“, „Ich mache mir nen Schlitz ins Kleid“, Männer gibt’s doch heute reichlich“, „Warum soll eine Frau kein Verhältnis haben?“ sang sie sich in die Herzen der Zuhörer.
In der Zwischenmoderation bekamen alle ihr Fett: die Männer, die Frauen, die Bosse, die Amerikaner, die Politiker und auch sie selbst: Mit „Hinter mancher Denkstirn im Nadelstreifen steht auch heute noch ein Vakuum … Wenn ich früh nackt vor dem Spiegel steh, seh ich mein tägliches Feindbild“, klopfte sie nicht nur Sprüche, die begleitende Mimik und die sparsamen Handbewegungen verrieten die Meisterin der Schauspielkunst und des Wortspiels (Die Einen haben das Geld für den Hut und Andere haben den Hut für das Geld; eine gesunde Verdorbenheit ist besser als eine verdorbene Gesundheit).
Dorit Gäbler beherrschte viele Facetten der Unterhaltung, mal mit Temperament und lasterhaft, mal einschmeichelnd und sentimental, dazwischen herausfordernd und ironisch. Dafür wurde sie mit anhaltendem Beifall belohnt. Zum Schluss sah man in den aufgehellten Gesichtern, dass es eine gefällige und gelungene Veranstaltung war, die den Wunsch auf ähnlich unterhaltsame Abende im Mayoratsgut verstärkt. Den Organisatoren, Mithelfenden und den Gastronomen sei für die entspannenden Stunden herzlich gedankt.
Manfred Meusel




